Zum Hauptinhalt springen

Komplexitäten der Managementberatung mit LEGO® SERIOUS® Play vermitteln

von Sandra Meyer

©HRW intern

Als ich vor einigen Jahren gebeten wurde, in einem unserer Wirtschaftsstudiengänge ein weiteres, englischsprachiges Unternehmensberatungsmodul anzubieten – gern mit einem hohen Theorieanteil – sah ich mich mit einer ganzen Reihe Herausforderungen konfrontiert. Komplexe theoretische Modelle stundenlang anhand diverser PowerPoint Folien vorzubeten bevor man dann endlich irgendwann zur praktischen Fallstudie gelangt war nicht meine Idealvorstellung kompetenzorientierter und aktivierender Lehre und führt auch selten dazu, dass Studierende sich für den Bereich der Managementberatung brennend interessieren. Zudem senkte die Tatsache, dass die Lehrveranstaltung auf Englisch stattfinden sollte nicht unbedingt den Schwierigkeitsgrad. Zwar beherrschen viele unserer Studierenden Englisch auf einem sehr guten Niveau, aber eben so vielen fällt die Sprache eben auch schwer, so dass man es mit einer sehr heterogenen Studierendengruppe zu tun hat, nicht nur mit Hinblick auf das fachliche Vorwissen, sondern auch was die sprachlichen Fähigkeiten und damit einhergehend auf die Bereitschaft, aktiv das Unterrichtsgeschehen mitzugestalten anbelangt. Dabei ist es aber gerade im Bereich Unternehmensberatung essentiell, Studierenden die Wichtigkeit der Kommunikation und des Austausches zu vermitteln; etwas, was wohl kaum realistisch anhand von Frontalunterricht und Unmengen theoretischer Modelle gelingen kann. Ich brauchte also ein Konzept, welches Studierende ermutigt, sich von Beginn an aktiv mit den theoretischen Grundlagen auseinanderzusetzen, welches kommunikationsfördernd ist und Hemmschwellen abbaut.

Warum LEGO® SERIOUS® Play?

Im Kontext der Unternehmensberatung hatte ich einige wenige Erfahrungen mit der Methode LEGO® SERIOUS® Play (LSP) gemacht. So reifte in mir die Idee heran, ob man diese Methode nicht auch in der Lehre einsetzen kann, um den Zugang zu komplexen fachlichen Grundlagen zu vereinfachen und durch eine spielerische Herangehensweise Studierenden die Berührungsängste nehmen zu können und sie gleich ins Handeln zu bringen. In der Tat stellte LSP sich als optimale Lösung all meiner Herausforderungen mit Blick auf dieses Modul heraus, was ich vor der ersten Durchführung so wirklich nicht vorhergesehen habe. Zum besseren Verständnis wie die Lehrveranstaltung aufgebaut ist und welche Herausforderungen ich mit LSP abmildern kann im Kontext des Moduls hier ein kleiner Überblick:

  • statt einer Folienschlacht gibt es kurze Einführungen in theoretische Modelle (z.T. in der Präsenzphase, z.T. auch als Lernvideo in Moodle) und daran angelehnt verschiedene "Bau-Aufgaben" in denen Studierende ihr Verständnis der Theoriemodelle nachbauen oder anwenden; so kommen Studierende sehr schnell ins aktive Tun; die Legomodelle und die Erklärung der Studierenden kann man dann als Grundlage für den Austausch nehmen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Modelle erörtern und durch konkretes Nachfragen von meiner Seite und auch durch andere Studierende ins Detail gehen; Studierende können so auch den Unterrichtsverlauf mitgestalten
  • wenn ich etwas baue und dann erkläre, dann muss ich es gut verstanden haben (Motivation sich mit der Theorie auseinander zu setzen um diese dann als 3-D Modell abbilden und erklären zu können). Als Lehrende bekomme ich so auch eine Rückmeldung und sehe, ob die Studierenden eine Theorie/ein Modell wirklich verstanden haben
  • Studierende, die sonst nicht so gern in der Gruppe aktiv sind, können nun mithilfe eines Modells vortragen; das Modell wirkt dabei wie eine Art Puffer, denn es wird über das Modell gesprochen und nicht über die Person; einige Studierende empfinden es auch als angenehm, während des Vortrags etwas in der Hand zu halten (in dem Fall das Modell oder Teile davon)
  •  das Modell unterstützt sprachlich schwächere Studierende in der Darstellung ihrer Ideen, viele Aspekte werden durch das Modell deutlich und müssen nicht en detail erläutert werden. Durch die positiven Erfahrungen und das häufige Präsentieren der Modelle, werden zurückhaltende Studierende auch schrittweise mutiger und machen die Erfahrung, dass ihre Ideen und Kreativität geschätzt werden und dass nicht alles allein von der korrekten Verwendung der Fremdsprache abhängt, sondern auch von anderen Faktoren, mit denen sie persönlich punkten können
  • die Methode basiert auf Kommunikation und Austausch: Optimal um dies als wichtige Grundlage des Bereichs Managementberatung in den Vordergrund zu stellen bzw. zu thematisieren; Studierende erleben, das jede:r anders baut/anders an etwas herangeht und es am Ende darum geht, durch gutes Erklären und Veranschaulichen sich dem anderen begreifbar zu machen, was nur gelingen kann, wenn Interesse und Offenheit auf der anderen Seite vorhanden ist (Reflexion über Herausforderungen in der Managementberatung)
  • LEGO® SERIOUS® Play wird de facto häufig in Unternehmens- und Managementberatungen eingesetzt, so dass Studierende hier also auch eine Methode kennenlernen, die sie selbst später im Beruf nutzen können. So überwindet man nicht nur die Sprachbarriere und die Angst davor Fehler zu machen bei der Erklärung der Modelle, sondern man lernt automatisch auch, wie man selbst die Methode einsetzen kann innerhalb des Arbeitsbereichs Managementberatung

    Vereinfacht kann man sagen, dass es drei unterschiedliche Aufgabenbereiche gibt, mit einer Fülle von unterschiedlichen Aufgaben:

    • Die Studierenden bauen und erklären theoretische Modelle und Tools aus dem unternehmensberaterischen Kontext (Lernziel: Das Verstehen (hier im wahrsten Sinne des Wortes Be-Greifen) der theoretischen Grundlagen

    • Die Studierenden übertragen die theoretischen Modelle auf passende Fallstudien und erklären strategische Prozesse mithilfe eines LSP-Modells (Lernziel: die verstandenen Modelle nun anwenden können auf "Probleme"/Aufgaben die einem in der Tätigkeit als Managementberatende:r begegnen können und dadurch Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten und aufzuzeigen; die Lösungsstrategien sinnvoll kommunizieren)

    • Die Teilnehmenden übernehmen die Moderationsrolle und gestalten ein eigenes Skill Building (Einführung in die Methodik LEGO® SERIOUS® Play) sowie eine eigene weiterführende Aufgabe passend zu einer imaginären Situation (Lernziel: LSP selbstständig anwenden können als Managementberatende:r; die Studierenden übernehmen bei dieser Herausforderung also im Grunde meine Perspektive oder Rolle, sie gestalten und leiten selbst einen kleinen Workshop, Erfahren so Selbstwirksamkeit, Perspektivwechsel, "die andere Seite der Kommunikation" und reflektieren, wie divers man LEGO® SERIOUS® Play einsetzen kann

    Auch wenn ich das Modul inzwischen seit mehreren Semestern mit LSP unterrichte, verblüfft es mich immer wieder auf’s Neue, wie unbefangen und optimistisch Studierende dadurch an komplexe Herausforderungen herangehen, wie motiviert sie sind und wie viel Freude sowohl Studierende als auch ich als Lehrperson an diesem kreativen Prozess haben.